Monatsarchiv für November 2009

Au-Weh!

Othmar 9. November 2009

Der Inn diente einst wie heute noch zur bequemen Müllentsorgung.

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Fundstück bei Thannrain

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Einmündung Rietzerbach

Das veranschaulichen diese Fotos, gemacht bei Niedrigwasser  am Inn, 7.11 2009.
Da tauchen sozusagen “alte  Leichen” auf.
Wie viele “Leichplätze” es wohl gibt?

Zugeschüttet.

Aus den Augen, aus dem Sinn.

Ich frage mich:  “Warum verändert sich unser Verhalten nicht,  wo wir doch sehr viel mehr Technik und Wissen  in den letzten Jahrzehnten  zur Verfügung haben”?
Wir zerstören  uns die eigenen Lebensräume.

Sollten wir nicht aus den Fehlern der Vergangenheit lernen und unser Verhalten etwas ändern?

Sonst bleibt für die nächsten Generationen nur Wüste übrig.

Wollen wir das?

Diese Entscheidung müssen wir jetzt treffen, sonst ist es zu spät.

Geplantes Laufkraftwerk bei Telfs/Tirol – Gefährdung der Rietzer und Mieminger Innauen

Gebhard 1. November 2009

Warum ist es möglich, dass ein Gebiet, welches erst vor einigen Jahren zum Sonderschutzgebiet erklärt wurde, zur Rückstauzone eines Laufkraftwerkes zu machen?
(siehe dazu auch: http://www.tiroler-schutzgebiete.at/index.php?sid=pages&pid=56)
Dieser Sachverhalt der Zerstörung dieser Schutzzonen scheint mir beim geplanten Laufkraftwerk bei Telfs/Tirol der Fall zu sein. Interessanterweise wird die geplante Leistung das Kraftwerkes von 14 MW gerade unterhalb des festgelegten Schwellwertes für UVP von 15 MW angegeben.

  • Ist ein so kleines Kraftwerk wirtschaftlich überhaupt sinnvoll/rentabel?
  • Kann die geplante Leistung im Zuge des Bauverfahrens eigentlich deutlich erhöht werden?
  • Also mit anderen Worten eine sinnvolle UVP umgangen werden?
  • Welche Alternativen gibt es dazu?
  • Sind schon alle bestehenden “alten” Kraftwerke auf ihre Effizienz überprüft worden?

In der Steiermark wird das derzeit umgesetzt. Als Professor und Lehrender im Bereich Elektronik sehe ich derzeit einen weltweiten Trend zu geringerem Energieverbrauch, und das nicht nur im Bereich der Mikroelektronik (Beispiel ATOM-Prozessor von INTEL) sondern auch bei vielen anderen Industriebereichen. Gerade heute wurde bekannt gegeben, dass der Energieverbrauch (beim Verbund) aufgrund der geringen Industrieabnahmen etwa 8-10% gegenüber dem Vorjahr gesunken ist, und sich erst in 2 bis 3 Jahren wieder erholen wird. Wünschenswert wäre jedoch, dass dieser Pegel erst bei deutlich höherer Produktivität wieder erreicht wird, also die verwendete Energie besser genutzt wird. Irgendwie fehlt eine Organisation die umfassend und nachhaltig für geringerenEnergieverbrauch sorgt.

Also sowohl Kundeninformation zur Verfügung stellt als auch beratend tätig ist. Eine solche Organisation darf in keiner Weise Querverbindungen zu Energieerzeugern aufweisen, so wie das früher der Fall war. In diesen Bereichen hat sich schon einiges getan, das Potential in dieser Hinsicht ist aber nach wie vor enorm hoch.

MfG Prof. DI Anton Prantl

Betr.: Horror-Innstau bei Telfs

Gebhard 1. November 2009

Stellungnahme eines Limnologen (Univ.-Prof. Dr. Roland Pechlaner, Innsbruck) zum Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan (NGP) im Hinblick auf die Erhaltung und Renaturierung der freien Fließstrecke des Inn zwischen Schweizer Grenze und Innstau Kirchbichl.

Bezug nehmend auf Äußerungen von Dr. Wolfgang Hirn (Stv. Abteilungsvorstand der Abteilung Wasser, Forst- und Energierecht des Amtes der Tiroler Landesregierung) in Vortrag und Diskussion zum Gewässerbewirtschaftungsplan in Tirol (anlässlich der Informationsveranstaltung der Wirtschaftskammer Tirol am 16. Oktober 09 in Innsbruck) möchte ich bezüglich des von den Innsbrucker Kommunalbetrieben (IKB) im Inn bei Telfs geplanten Laufkraftwerkes als Limnologe folgendes feststellen und zur Bedachtnahme empfehlen:

Die Leistung des geplanten Kraftwerkes (14 MW) liegt einerseits unterhalb des UVP-Schwellenwertes, andererseits wären die mit der vorgesehenen Stauhaltung und Unterwassereintiefung verbundenen Schäden enorm und weder mit den aus der EU-Wasserrahmenrichtlinie resultierenden Verpflichtungen noch mit den uns am 16. X. 09 erläuterten Intentionen des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplanes vereinbar.

Durch Errichtung eines Laufkraftwerkes im Inn bei Telfs würde dieser Tiroler Fluss für alle Zukunft zur Kategorie eines „Heavily modified water body“ (HMWB) degradiert, während alle derzeitigen hydromorphologischen Beeinträchtigungen als mittel- oder langfristig sanierbar gelten können.

Schwall-Beeinträchtigung: Wenn Mag. Andreas Murrer (Abt. Wasserwirtschaft, Land Tirol) als Vortragender am 16. X. 09 bezüglich des GKI-Kraftwerkes am Oberen Inn von einem Sonderfall mit win-win-Situation gesprochen hat, sei dem zum einen hinzugefügt, dass eine analoge win-win-Situation im Zillertal vorliegt (beste Voraussetzungen für die Verhinderung weiterer Schwall-Belastung des Ziller durch Unterwasser-Nutzung ab Mayrhofen mittels bis zum Talausgang reichender Freispiegel- und Druckstollen zur Nachnutzung abgearbeiteter Triebwässer aus Speicherseen mit direkter Ausleitung in den Inn), und dass zum andern nach dem Gemeinschaftskraftwerk am Oberen Inn eine ähnliche Wasserkraftnutzung unterhalb von Prutz angedacht werden sollte. Auf lange Sicht müsste eine ökologisch und wirtschaftlich sinnvolle Lösung der Schwall- und Hochwasserproblematik über weite Strecken des Inn zu erzielen sein.

Beeinträchtigung des Inn durch Regulierung: Bezüglich der Möglichkeiten zur Schaffung von Lebensraum durch renaturierende Verbesserung der Gewässermorphologie wurde von Mag. Andreas Murrer in einem seiner Referate am 16. X. 09 betont: „Nur ein Teil des Wasserkörpers muss morphologisch gut sein, um einen guten biologischen Zustand zu erreichen.“ Möglichkeiten zu hydromorphologischen Verbesserungen bieten sich am Inn trotz flussnaher Verläufe der Autobahn in verschiedenster Art und über weite Bereiche. Wir wollen dazu im Folgenden neben örtlichen Hoffnungsgebieten (B) auch eine wasserbautechnische Neuerung als Optimierungsmöglichkeit (A) aufzeigen:

A) „Untergetauchte Rundholzfundamente“ an Stelle von stark kolmatierenden Ufersicherungen aus Blockwürfen und in sonstiger Großstein-Bauweise: Gemeint ist der Einbau tief reichender Rundholzstapel unterhalb des Niedrigstwasserspiegels, wobei im Falle des Inn 4 bis 5 Meter lange Holzbloche aus Tiroler Wäldern (dafür lassen sich auch Lawinen- und Windwurfholz, Übergrößen von Bäumen und andere von Sägewerken wenig geschätzte Stämme gut nützen) senkrecht zur Fließrichtung angeordnet und entsprechend fixiert werden müssten. Diese „Untergetauchten Rundholzfundamente“ sollten bis in so große Tiefe reichen, dass es selbst bei Extremhochwässern zu keiner gefährlichen Unterspülung kommen kann. Je nach Durchflussmenge und Geschiebedynamik könnten die Köpfe der gestapelten Holzbloche (Merke: Diese Hölzer würden, sofern sie ständig von Wasser bedeckt sind, selbst in Jahrhunderten nicht verrotten!) flussseitig hinter vorgelagertem Schotter verschwinden oder zum Fluss hin frei liegen. Derartige Substrate aus Holz und mineralischem Material lassen hohe Besiedelungsdichten und rege Verwertung eingetragener organischer Substanz durch Entwicklung von Biofilmen sowie Mikro- und Makrofauna erwarten, wobei durch das Fress- und Wanderungsverhalten von Wirbellosen Tieren und Jungfischen laufend für Entkolmatierung der Holz- und Schotter-Lücken gesorgt würde. Dies würde den derzeit stark gehemmten Wasseraustausch zwischen dem Fluss und seinem Begleit-Grundwasser wiederhwerstellen und könnte so nicht nur der im Inntal sehr ausgeprägten Grundwasserabsenkung entgegenwirken, es würde auch ein maßgebliches Öffnen der Talschotter für die unterirdische Retention von Inn-Hochwässern mit sich bringen.

B) Schleifung entbehrlicher Buhnen und Überlassung der großflächigen und strukturarmen (für einen Alpenfluss untypischen und daher ökologisch schädlichen) Schwemmsand-Anlandungen der Erosion durch die Strömung, um dem Fluss mehr Raum für Wasser- und Geschiebedynamik als Grundlage für die diesem Gewässertyp angemessene ökologische Funktionsfähigkeit zu geben.

Stellungnahme des Umweltverbandes WWF Österreich zum NGP-Entwurf (Auszug)

Gebhard 1. November 2009

Der WWF Österreich sieht den Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan als ein geeignetes Instrument zur nachhaltigen, strategischen Umsetzung der Ziele der EUWWRL in Österreich an.

Um dies zu Erreichen sind aus Sicht des WWF im vorliegenden NGP-Entwurf einige wesentliche, zentrale Punkte zu berücksichtigen und Ergänzungen vorzunehmen welche in der endgültigen Fassung des Nationalen Gewässerbewirtschaftungsplan aufgenommen werden sollten.
[...]
6. Öffentlichkeitsbeteiligung
Forderung: Verstärkte Öffentlichkeitsbeteiligung, z.B. durch österreichweite Flussraumbetreuung
7. Pumpspeicher und Auswirkungen
Forderung: Keine Ausnahme von der Zielerreichung der EU – WRRL für Schwall- und Restwasserstrecken aus Pumpspeicherkraftwerken
[...]
11. Erheblich veränderte Wasserkörper
Forderung: Darlegung der technischen und/oder wirtschaftlichen Begründungen zur Ausweisung HMWB sowie Festlegung der Vorgangsweise
bei Wegfall des Ausweisungsgrunds, z.B. Schwallbelastung

[...]
Forderung: Koordinierung der Umsetzung der EU – WRRL mit anderen Gesetzen und Richtlinien
EU – Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energie (inkl. Energiestrategie zur Erarbeitung der Inhalte)
- Die Auswirkungen der Wasserkraft auf den ökologischen Zustand der Gewässer sind signifikant. Das Wasserkraftpotential muss daher unter Einbeziehung der ökologischen Verträglichkeit ermittelt werden, um die Umsetzung der beiden EU – Richtlinien, welche gleich prioritär sind, zu ermöglichen.
[...]
5.) Der WWF erstellte einen Ökomasterplan Österreich zur Schutzwürdigkeit der 53 größten Fließgewässer Österreichs. Ein weiterer Ausbau der Wasserkraft in Österreich kann aus der Sicht des Gewässer- und Naturschutzes nur mehr nach strengen ökologischen Kriterien erfolgen. Die Ausweisung von ökologisch schutzwürdigen Fließgewässerstrecken als Grundlage für eine nachhaltige Wasserkraftnutzung ist daher unumgänglich um die Zielerreichung der EU – WRRL zu gewährleisten und das ökologisch verträgliche Wasserkraftpotential zu ermitteln.
Dies dient auch zur Ermittlung des ökologisch ausbaufähigen Potentials und erhöht zudem die Planungssicherheit der Energieversorgungsunternehmen.
Momentan sind in Österreich bereits 66 Großwasserkraftwerke (s. Anhang) und hunderte Kleinwasserkraftwerke in Bau, Bewilligung oder Planung.
[...]
6.) Öffentlichkeitsbeteiligung ist gem. Art. 14 der WRRL bei der Umsetzung der Richtlinie und der Aufstellung der Bewirtschaftungspläne gefordert. Danach sind an verschiedenen Zeitpunkten des Planungsprozesses Anhörungsphasen von jeweils 6monatiger Dauer verbindlich durchzuführen. Eine aktive Beteiligung aller interessierten Stellen an der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie soll gefördert werden. Dieser Punkt wurde bisher nur unbefriedigend verfolgt, auf eine Broschüre im Jahre 2007 hat es nur eine Stellungnahme gegeben. Beim „Runden Tisch Wasser“ mit bundesweit tätigen Organisationen und Stakeholdergruppen werden Information über die laufenden Umsetzungsschritte geboten und gemeinsam über diese Schritte diskutiert. Zum NGP-Entwurf wurde die homepage www.wasseraktiv.at eingerichtet und Workshops auf Regional- und Länderebene über die Länder veranstaltet, die jedoch sehr unterschiedlich in Form, Umfang und Zielgruppe umgesetzt wurden. Die breite Öffentlichkeit wurde kaum erreicht, vor allem wurden bereits jetzt betroffene Stakeholdergruppen angesprochen. Als positiv aus Sicht der Öffentlichkeitsbeteiligung hervorzuheben ist der Flussdialog in Oberösterreich.

[...]
7.) Pumpspeicheranlagen zu Spitzenstromerzeugung werden im NGP-Entwurf von allen ökologischen Zielen entbunden,

wenn es nicht möglich ist den Schwall zu dämpfen oder abzuleiten, ohne dass es zu einem Eingriff in die Betriebsweise kommt, also nur in Ausnahmefällen.
Begründet wird dies dahingehend, dass dies zu einer Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit führen könnte.
Da aber nur in Ausnahmefällen der Schwall nicht gedämpft werden kann, können diese Ausnahmefälle zu keiner Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit führen.
Sunk und Schwall hat so gravierende Auswirkungen auf den Gewässerzustand, und das über lange Strecken, sodass im Sinne der Umsetzung der WRRL die
Schwallreduktion im österreichischen Fließgewässernetz von zentraler Bedeutung ist.
Es müssen daher Projekte, durch die Schwall im Zuge eines Kraftwerksbaus in einen größeren Vorfluter ausgeleitet wird, bei weiterem Kraftwerksbau als erstes durchgeführt werden. Dass Restwasserstrecken (Bei-/Überleitungen in Speicherseen) im Zusammenhang mit Spitzenstrom keinen ökologisch erforderlichen Mindestwasserabfluss abgeben müssen, ist im Sinne der Umsetzung der EU –WRRL inakzeptabel.
Forderung: Keine Ausnahme von der Zielerreichung der EU – WRRL für Schwall und Restwasserstrecken aus Pumpspeicherkraftwerken
[...]
11.) Die Ausweisung der „erheblich veränderten“ Wasserkörper ist oft nicht nachvollziehbar. 525 Gewässerstrecken, auf Länge umgelegt sind das 10% der Österreichischen Fließgewässer, wurden als HMWB, dh. nach diesen beiden Kriterien, eingestuft.
[...]
Beispiel Inn/Tirol:
Der gesamte Inn in Tirol auf einer Lauflänge von über 100 km wurde als HMWB ausgewiesen. Nur die Staukette vor der Grenze zu Bayern ist nachvollziehbar in der HMWB – Ausweisung.
Der Inn ist auf weite Strecken schwallbeeinflusst, vor allem durch Kraftwerke aus der Schweiz am Innursprung.
Derzeit ist ein Ausleitungskraftwerk an der Tirolerisch-schweizerischen Grenze in Planung, das das Schwallproblem aufhebt. Dies, also die technische Machbarkeit, ist auch bekannt, trotzdem ist nur das Erreichen des guten Potentials vorgesehen. Weitere Maßnahmen zur Schwallreduktion von Speicherkraftwerken aus Seitentälern sind nicht vorgesehen. Die starke Längsverbauung des Inns, welche als zweiter Grund für die HMWB – Ausweisung angeführt wird, ist ein typisches Merkmal von Beeinträchtigungen an Alpenflüssen durch den starken Siedlungsdruck in den Tallagen, in der Durchführbarkeit ist der Inn hier mit vielen anderen Flüssen vergleichbar.
Der Inn stellt mit einer freien Fließstrecke von über 100km eine Besonderheit im Alpenraum dar.
FAZIT: Der Inn ist derzeit in einem unbefriedigenden Zustand, der jedoch mit dem an ähnlichen Flüssen vergleichbar ist. Lösungen sind jedoch durchaus möglich und umsetzbar, es besteht also eine bessere Umweltoption, technische Durchführbarkeit und keine unverhältnismäßigen Kosten.

Das mit der Umsetzung der EU-WRRL hohe Kosten verbunden sind, ist eine Eingangsvoraussetzung gewesen. Dass nun Flüsse mit hohem Verbesserungspotential aus Kostengründen als HMWB ausgewiesen werden, entspricht nicht dem Sinn der EU – WRRL.
Forderung: Darlegung der technischen und/oder wirtschaftlichen Begründungen zur Ausweisung HMWB sowie Festlegung der Vorgangsweise bei Wegfall des
Ausweisungsgrunds, z.B. Schwallbelastung