Monatsarchiv für Dezember 2009

Präsentation der Bürgerinitiative gemeinsam mit dem WWF bei Gemeinderatssitzung Stams

Gebhard 4. Dezember 2009

Am 26.11.09 war es soweit. Wir haben mit dem WWF vor dem Gemeinderat Stams die Einwände zum geplanten Innstau der IKB bei Telfs präsentiert. Das Interesse der Gemeindebürgerinnen und Bürger war entsprechend groß, es war kein freier Sessel mehr im Gemeindeamt zu haben. Nachdem die Themen Lärmbelastung im Gewerbegebiet und Budgetaufstockung für die Bergrettung Rietz abgehandelt waren, kamen wir an die Reihe.

Bürgermeister Franz Gallop bewies Courage, als er in seinen einleitenden Worten vor dem Gemeinderat und allen Anwesenden erklärte, warum er sich eines Besseren belehren hat lassen und von einem Kraftwerksbefürworter zu einem Kraftwerksgegner in den Innauen geworden ist. Wir möchten ihm an dieser Stelle zu seinem Mut und seiner Einstellung gratulieren.

Gemeinderatssitzung Stams am 26.11.2009

Gemeinderatssitzung Stams am 26.11.2009

Nachdem wir unsere Bürgerinitiative vorgestellt hatten, hielt Toni Vorauer, WWF-Mitarbeiter und Schutzgebietsbetreuer einen kurzen aber prägnanten Vortrag über die wichtigsten Punkte die gegen einen Kraftwerksbau am Inn bei Telfs sprechen. Detail am Rande: vor Beginn der Sitzung haben wir an alle Anwesenden unser Positionspapier verteilt. Die Tatsache, dass die Existenz einer Bürgerinitiative bis jetzt in allen zur Sitzung erschienen Artikeln (TT, Bezirksblatt, Rundschau) unerwähnt blieb, läßt den Verdacht aufkommen, dass die jetzt schon unübersehbaren Anzeichen eines lokalen Widerstandes gegen das Mottenkistenprojekt der IKB ganz einfach ignoriert werden sollen!

Nach der Präsentation entspann sich eine interessante Diskussion, besonders die Stellungnahme von Herrn Univ.Prof. a.D. Roland Pechlaner betreffend die zu erwartenden Probleme durch die massiven Feinstoffablagerungen im Staubereich und die ungeklärte  Grundwassersituation sorgte für gespitzte Ohren. Es gab einige bemerkenswerte Wortmeldungen aus dem Publikum, unter anderem ob es nicht an der Zeit wäre, massiv andere erneuerbare Energieformen in Betracht zu ziehen, die keine Natur- u. Landschaftszerstörung mit sich bringen, sondern im Gegenteil, der lokalen Bevölkerung Einkommen sichern könnten.

Unter den Anwesenden befand sich auch der “Spähtrupp” der IKB. Damit ist jetzt immerhin amtlich, die IKB lässt unsere Seite lesen! Trotz der finanziell praktisch unbegrenzten Möglichkeiten sich über sämtliche Printmedien und mehrseitigen Hochglanz-Postwurfsendungen Aufmerksamkeit zu verschaffen, war es dem Mitarbeiter der IKB auch in der Gemeinderatssitzung vergönnt die Sicht der Kraftwerksplaner lang und breit darzustellen. Auf die Publikums – Fragen, warum denn ausgerechnet ein Kraftwerk dort, wo ein Sonderschutzgebiet betroffen wird und ob die IKB eine Umweltverträglichkeitsprüfung scheuen würden, konnte er aber auch keine befriedigende Antwort geben.

Die Frage eines Gemeinderates, wo denn nach Ansicht des WWF ein idealer Standort für ein Wasserkraftwerk gegeben sei, wenn nicht bei Telfs, wurde von Viktoria Ernst, Leiterin des WWF-Projekts “Unser Inn” so beantwortet: “Es müssten vorher einmal die Pläne für geplante Wasserkraftwerke und bestehende Naturschutzgebiete übereinandergelegt und daraus resultierend die Bereiche ausgeschieden werden, bei denen sich das deckt”.

Ganz abgesehen davon, dass wir nicht dazu da sind die Kraftwerksstandortsuche der Wasserkraftlobby zu übernehmen, kann diese Frage aus unserer Sicht ganz einfach beantwortet werden:  Stopp dem Totalausbau der Wasserkraft auf Kosten von Natur und Umwelt. Alle Projekte, die jetzt aus dem Hut gezaubert werden sind eigentlich längst totgesagte Wiedergänger, die in Wirklichkeit eine ökologische Energiewende aufhalten. Investitionen in lokale und dezentrale Energieerzeugung unter Ausnutzung aller Potentiale wie Solarwärme, Wind und Biomasse.

Wir hätten uns mit dem Gemeinderat noch sehr gerne über diesen Punkt unterhalten, leider reichte aber die Zeit dafür nicht mehr. Eine Nachbesprechung fand im Stamser Hof statt. Wir bedanken uns auf alle Fälle sehr herzlich bei allen die hingekommen sind und mit ihren Fragen und Anregungen zu diesem sehr interessanten Abend beigetragen haben. Es war für uns ein Stück gelebte Demokratie und wir freuen uns auf ein baldiges Wiedersehen.